Lesestrategien beim Textverständnis im Fremdsprachenunterricht

Lesestrategien beim Textverständnis im Fremdsprachenunterricht

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Didaktische Analyse

2.1 Motivationsmöglichkeiten zum Textverständnis

2.2 Lesestrategien im Fremdsprachenunterricht

2.2.1 Verstehensphase

2.2.2 Anschlussphase

  1. Begründung
  2. Zusammenfassung
  3. Literaturverzeichnis

  1. Einleitung

Wenn man sich die Frage stellen würde, „was ist Lesen?“ könnte die sterile Antwort gegeben werden, dass Lesen die Aufnahme schriftlicher Informationen aus einem Text durch optischen Reiz wäre. Nein, Lesen ist viel mehr. Einerseits muss festgestellt werden, dass Texte eine Hauptinformationsquelle in jeder „lesenden“ Gesellschaft ist, andererseits muss SchülerInnen beigebracht werden, wie man von Texten lernt, um an einer solchen Gesellschaft teilzuhaben. Theisen (2000b:12) bemerkt, dass, wenn man einen Text verstehen will, ihn dekodieren muss. Dabei müssen die Bedeutungen der einzelnen Wörter, des Kontextes und der Syntax aktiviert werden. Der Leseprozess aber hört an dieser Stelle für die SchülerInnen nicht auf, denn sie müssen diese Bedeutungen verstehen und die dabei gewonnenen Informationen kritisch beurteilen. Folglich kann man behaupten, dass Lesen Denken ist!

In dieser zweiten Hausarbeit in „sprachliche Fertigkeiten in der schriftlichen Kommunikation“ wird eine fiktive Unterrichtssituation dargestellt, in der die SchülerInnen eines Erwachsenenkurses der Mittelstufen III-Ebene mit dem Text „Familienkrach ums Fernsehen“ konfrontiert werden. Die Unterrichtsgestaltung erfolgt anhand der von Theisen vorgeschlagenen Lesestrategien.

  1. Didaktische Analyse

Unsere Klasse wird von 12 Schülern besucht, die alle aus dem gleichen sozialen Umfeld kommen. Es sind Studenten (7 Mädchen und 5 Jungen) und es gibt keine Außenseiter. Diese Stimmigkeit unter den Schülern schafft eine angenehme und offene Atmosphäre und ermöglicht somit effektives Lehren und Lernen. Die Schüler sind in ihrem Argumentations- und Ausdrucksvermögen schon einigermaßen entwickelt, und können durch analytisches Denken und zielstrebige Arbeit komplexe Aufgaben lösen. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt, da der Lehrer die Klasse seit dem Grundstufe I – Kurs übernommen hat. Der Klassenraum ist mit allen technischen Unterrichtsmitteln ausgestattet, hat eine weiße Tafel, an der mit Farbstiften gearbeitet wird und hat statt Schulbänke einen konferenzartigen Tisch, um den Schüler und Lehrer sitzen. Somit wird das Gruppenzugehörigkeitsgefühl der Klasse stimuliert und motiviert die Schüler zum  Sprechen. Der Unterricht wird zweimal wöchentlich abgehalten und dauert 2 Stunden und 10 Minuten, wobei eine Pause eingelegt wird.

Ziel dieser Unterrichtseinheit ist, auf ein aktuelles Thema der deutschen Wirklichkeit aufmerksam zu machen und die Schüler dazu bringen, sich mit dem Fernsehen unter soziokulturellen Aspekten auseinander zusetzen. Die Unterrichtseinteilung folgt dem „klassischen“ Aufbau Motivationsphase, Verstehensphase und Anschlussphase.

2.1 Motivationsmöglichkeiten zum Textverständnis

Die Motivationsphase spielt eine große Rolle beim Unterricht, denn wenn jemand motiviert ist, lernt er besser. Dabei unterscheiden Huneke/Steinig (2000:14) instrumentelle und integrative Motivation, die beide das selbe Ergebnis haben können: Erfolgreiches Lernen. Instrumentell motiviert ist jemand, der sich beim Lernen für seinen beruflichen Aufstieg interessiert, während integrativ motiviert der Lerner ist, der eine Zuneigung für die Kultur der Fremdsprache empfindet und sich mit ihr identifizieren kann. Dabei darf natürlich nicht außer acht gelassen werden, dass es in der Motivationsphase darum geht, das Interesse der Schüler zu wecken und ihr Vorwissen zu aktivieren, wie sehr recht Weigmann (1998:33) bemerkt. Der Einstieg in den Unterricht soll an folgenden zwei Beispielen veranschaulicht werden.

Beispiel 1: Der Lehrer tritt ins Klassenzimmer und stellt die Schüler vor folgende Situation: die Klasse lebt in einer Wohngemeinschaft und hat über eine der folgenden Sendungen zu entscheiden, die heute Abend im gemeinsamen Wohnzimmer gezeigt werden soll. Der Lehrer überlässt den Schülern die Qual der Wahl und verteilt der Klasse eine Auflistung mit den Sendungen, unter der Voraussetzung, dass sich für die Sendung eine ¾ Mehrheit bildet. Dabei soll ein Rollenspiel entstehen:

1) Highlights von Michael Schumacher mit der Ferrari der Saison 2001-2002

2) Die deutsche Ausgabe der Sendung „Wer wird Millionär“

3) Eine Sendung über deutsche Kochrezepte

4) „Pretty Woman“

Es wird sicherlich nicht zu einer ¾ Mehrheit kommen, so dass dann der Lehrer durch Auflegen einer Folie, auf der der Titel des Textes steht, zum eigentlichen Unterricht übergehen kann, indem er nun die weiblichen und die männlichen Kursteilnehmer auffordert Vokabular zu den Themen „Krach“ und „Fernsehen“ in Gruppenarbeit zusammenzutragen. Durch diese Übung soll existierendes Vokabular aufgerufen werden.

Beispiel 2: Der Lehrer kopiert auf einer Folie eine Collage. Diese besteht aus zwei Teilen: im oberen Teil sind Szenen mit verschiedenen Streitsituationen zu sehen, und im unteren Teil Bilder, die das Thema „Fernsehen“ verkörpern. Zunächst sollen die Schüler beschreiben, was sie auf der Folie sehen. Somit wird erreicht, dass bekannter Wortschatz aktiviert wird. Dann sollen sich die Schüler kurz Notizen machen und Gedanken niederschreiben, wie die zwei Themenbereiche zu kombinieren sind. Das bedeutet ganz einfach: „was hat Streit mit Fernsehen zu tun?“ Damit die Erwartungen der Schüler nicht enttäuscht werden, sollte der Lehrer darauf aufmerksam machen, dass der Streit nicht im Fernsehen, sondern der Streit um das Fernsehen das Thema ist.

2.2 Lesestrategien im Fremdsprachenunterricht

Nach Theisen (2000b:111ff) gibt es vier verschiedene Lesestrategien: orientierendes, selektives, suchendes und detailliertes Lesen. Dabei definiert Theisen orientierendes Lesen als eine grobe Informationsentnahme aus einem Text. Man muss schnell und konzentriert Wörter, Satzteile oder gar ganze Sätze aufnehmen und verarbeiten. Bei Storch (2001:123) wird diese Art von Lesen als „total“ definiert.

Selektives Lesen wendet man an, wenn man für sich wichtige Informationen aus einem Text filtern will. Es ist die schnelle Aufnahme von Daten und das rapide Erkennen von Signal- und Schlüsselwörtern innerhalb des Textes (Theisen, 2000b:117), wie z.B. das Lesen wichtiger Artikel in seriösen Zeitungen und Zeitschriften, die vielleicht für unser Leben von besonderem Interesse ist, wir aber nicht sehr viel Zeit dafür aufwenden können.

Suchendes Lesen ist der Lesensstil, der angewandt wird, wenn man in einer Fülle von Informationen, wie z.B. in den Kleinanzeigen, etwas sehr Konkretes sucht. Ein kleines, einleuchtendes Beispiel dafür, wäre, wenn eine Gruppe von jungen Leuten am Abend ins Kino gehen möchte, um den Film «Der Herr der Ringe» zu sehen. Im Kinoprogramm der lokalen Zeitung sucht unsere Gruppe nach den Aufführungszeiten und den Kinos, in denen der Film gespielt wird.

Als eine intensive Auseinandersetzung mit dem Text wird detailliertes Lesen begrifflich bestimmt. (Theisen, 2000b:111) Dabei muss auf viele Aspekte Rücksicht genommen werden, wie z.B. Wortbedeutung, Wort- und Satzkontext, semantische und syntaktische Beziehungen sowohl der Wörter, als auch der Sätze. Detailliertes Lesen hat sehr große Anwendungsfelder: Bearbeitung literarischer Texte zum Beispiel oder um auf den Fremdsprachenunterricht zurückzukommen, die Umformung eines Textes in die indirekte Rede, oder Multiple-Choice-Übungen im Rahmen des Grammatikunterrichts.

Wenn man nun die verschiedenen Lesestrategien anhand des vorgegebenen Textes veranschaulicht werden sollten, könnte der Lehrer in punkto orientierendes Lesen einfach die Frage stellen „wovon handelt der Text?“. Die Schüler müssten selektiv arbeiten, wenn sie die Frage „Wie fördern die Sender den Streit zwischen Mann und Frau?“ zu beantworten hätten. Die suchende Lesestrategie wird angewandt, wenn die Schüler sich mit der Frage „Wie wird Streit beigelegt?“ auseinander setzen müssen. Das detaillierte Leseverfahren wird trainiert, wenn vom Lehrer eine Zusammenfassung verlangt wird. Ferner sind vom Lehrer Aufgaben[1] erstellt worden, die das selektive und detaillierte Lesen üben.

2.2.1 Verstehensphase

Nachdem die Schüler also durch die orientierende Frage „wovon handelt der Text?“, den Sinn dessen erfasst und ihr Vorwissen aktiviert haben, kann der Kursleiter nun zu den restlichen Aufgaben übergehen. Eine erste Aufgabe zum selektiven Verstehen, wäre, wenn die Schüler den in Aufgabe[2] 1 gegebenen Wortschatz den zwei Oberbegriffen „Fernsehen“ und „Streit“ zuordnen. Dadurch wird eine erste Struktuierung unbekannten Wortschatzes erreicht.

Im weitereen Verlauf kann man auf detaillierte Wortschatzarbeit eingehen, indem sich die Schüler mit den vereinzelten Begriffen auseinandersetzen und eigene Worterklärungen zusammenstellen. Ist dieser Arbeitsvorgang vollendet, kann man sogar auf ein höheres Niveau übergehen indem man einzelnen Textpassagen Titel gibt oder sogar einen Textabschnitt in die indirekte Rede umwandeln lässt

2.2.2 Anschlussphase

In der Anschlussphase verleitet der Lehrer seine Schüler nun zu einem Gespräch, bei dem neues Vokabular geübt und gefestigt wird. Das Gespräch soll frei und locker abgehalten werden, da der Lehrer verhindern möchte, dass sich Schüler an der Diskussion nicht beteiligen. Es könnten hierbei persönliche Erfahrungen der Kursteilnehmer erfragt werden, denn Erfahrungsaustausch im Plenum ist oft gesprächsmotivierend. Falls sich Engpässe in der Thematik oder beim Vokabular bilden sollten, kann der Themenkreis des Gespräches erweitert werden, und sich auf die Themen Familie und Medien generell beziehen.

  1. Begründung

Der Einsatz des Textes in einem Mittelstufen – 3 – Kurs lässt sich dadurch rechtfertigen, dass einerseits die Schüler unserer Klasse über das entsprechende Weltwissen verfügen, andererseits der Text sicherlich für sie interessant ist, da sie ja selbst höchstwahrscheinlich die Erfahrung einer solchen Streitsituation erlebt haben. Der Text scheint einfach zu sein, doch das trügt. Für einen Zertifikatskurs wäre der Einsatz unzumutbar, da der Anfang des Textes die jungen Zertifikatsschüler dermaßen enttäuschen würde, dass sie vielleicht aufhören würden, Deutsch zu lernen.

Die Lesestrategie betreffend, muss gesagt werden, dass das orientierende Lesen angewandt wurde, um das Thema des Textes zu erfassen und die Schüler zum Weiterarbeiten zu motivieren, denn der Textanfang ist von großem Schwierigkeitsgrad. Selektiv wurde gearbeitet, um den unbekannten Wortschatz durch Zuordnungsübungen zu erweitern und um das Verständnis zu überprüfen. Detailliertes Lesen musste angewandt werden, um die Übungen im Aufgabenblatt zu lösen.

Für den Einsatz des Textes im Mittelstufenunterricht spricht eigentlich seine Authentizität, denn durch solche Texte wird den Schülern origineller deutscher Text zugeführt, was einen Bezug zur deutschen Alltäglichkeit schafft.

  1. Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verständnis eines Textes auf Bekanntem Vorwissen beruht, welches durch die verschiedenen Texterschließungsstrategien weiter ausgebaut wird, um sich dann letzten Endes dem Unbekannten zu nähern.

Eine Folge davon ist, dass sich beim Lerner ein Erfolgserlebnis einstellt, wodurch er sich motiviert fühlt und sich nicht von dem Text abschrecken lässt.

Ist er einmal dieser Strategien mächtig, kann er sie dann auch auf den freien Sprachgebrauch übertragen, sprich: Mündlicher Ausdruck.

In den Jahren der Globalisierung, in welchen wir und befinden, ist es von größter Wichtigkeit möglichst viele Fremdsprachen in kürzester Zeit zu beherrschen, wobei diese klar strukturierten Methoden sicher eine große Hilfe leisten.

 

 

  1. Literaturverzeichnis

  1. Huneke Hans-Werner und Steinig Wolfgang, (2000): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Berlin: Schmidt (Grundlagen der Germanistik, Band 34).
  2. Heyd Gertraude, (1991): Deutsch lehren: Grundwissen für den Unterricht in Deutsch als Fremdsprache. Frankfurt: Diesterweg
  3. Storch Günther, (2001): Deutsch als Fremdpsrache. Eine Didaktik. Theoretische Grundlagen und praktische Unterrichtsgestaltung. Stuttgart: Fink.
  4. Theisen Joachim, (2000a): Sprachliche Fertigkeiten in der mündlichen Kommunikation. Hörverstehen. Band A. Patra: EAP
  5. Theisen Joachim, (2000b): Sprachliche Fertigkeiten in der mündlichen Kommunikation. Hörverstehen. Band B. Patra: EAP

[1] Siehe Profilformular und Aufgabenblatt im Anhang

[2] Siehe Übungen im Anhang

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